PHOTOTOXISCHE REAKTIONEN DURCH ÄTHERISCHE ÖLE VERMEIDEN – MUST READ!

phototoxische Reaktionen

Sonja hat ein neues Hobby – sie rührt sich ihre Naturkosmetik seit einiger Zeit begeistert selber. Nur hochwertige Bio-Rohstoffe und naturreine ätherische Öle kommen bei ihr in die Töpfchen.

Trotzdem ziert seit dem Wochenende eine unschöne Rötung ihren Hals und die Handgelenke – ähnlich einem Sonnenbrand. Genau dort, wo sie ihren geliebten Duft-Roll-On verwendet hat!

Sie denkt zuerst an eine allergische Reaktion. Vielleicht waren Inhaltsstoffe verdorben – oder ist sie allergisch auf eines der enthaltenen ätherischen Öle?

Aber nein. Verantwortlich für die Hautreaktion war das im Roll-On enthaltene Bergamotteöl, das beim Sonnenbaden diese Rötung ausgelöst hat.

Wusstest du, dass (natürliche) Bestandteile von manchen ätherischen Ölen die Empfindlichkeit der Haut auf Sonneneinstrahlung bzw. UV-Licht (auch in Solarien) erhöhen und so zu regelrechten Verbrennungen führen können?

phototoxische ätherische öle

Gerade von Zitrusölen ist immer wieder zu hören, dass sie in Verbindung mit direkter Sonnenbestrahlung Hautreaktionen verursachen können. Das stimmt allerdings nur teilweise.

Zum Beispiel wirken Bergmotte-Öl und Limettenöl schon in niedrigen Konzentrationen (unter 1%) „phototoxisch“. Was das bedeutet, erkläre ich dir gleich!

Bei Zitronenöl und Grapefruitöl  liegen die Maximalkonzentrationen (in Hinblick auf die Phototoxizität) bei 2% bzw. bei 4%.

Das ätherische Öl der süßen Orange und Mandarinenöl wirken dagegen nicht phototoxisch.

Es gibt auch einige andere ätherische Öle, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und damit Hautreaktionen hervorrufen können.

Verantwortlich dafür sind vor allem „Furocumarine“ – das sind natürliche Bestandteile mancher ätherischen Öle.

Aber jetzt der Reihe nach!

  1. Was ist eine phototoxische Reaktion/Photosensibilisierung?
  2. Was sind Furocumarine?
  3. Phototoxische ätherische Öle
  4. Nicht alle Zitrusöl wirken phototoxisch!
  5. Fazit

1. WAS IST EINE PHOTOTOXISCHE REAKTION/PHOTOSENSIBILISIERUNG?

Phototoxizität ist eine Eigenschaft mancher Medikamente und chemischer Stoffe. Sie beschreibt die Stärke, mit der ein Stoff unter Einwirkung von Sonnenlicht auf der Hautoberfläche vergiftende (toxische) Wirkungen auslöst.

Die toxische Wirkung zeigt sich in verschiedenen Symptomen. Die Haut reagiert vor allem mit Rötung, Juckreiz, Austrocknung und Schuppenbildung.

phototoxische ätherische öle

Bild (c) Margareta Ahrer: Phototoxische Hautreaktion

Furocumarine, die häufig in Doldenblütlern wie Bärenklau und Engelwurz, in Zitruspflanzen wie Bergamotte und in einer Reihe weiterer Pflanzen vorkommen, können phototoxische Reaktionen hervorrufen.

Auch einige andere pflanzliche Wirkstoffe können bei starker Konzentration phototoxisch wirken. So ist z.B. bei Patienten, die regelmäßig Johanniskraut-Präparate einnehmen, eine verstärkte Lichtempfindlichkeit der Haut beobachtet worden. Verantwortlich dafür ist der enthaltene Wirkstoff Hypericin.

2. WAS SIND FUROCUMARINE?

Furocumarine kommen häufig in Doldenblütlern wie Engelwurz oder Kreuzkümmel vor, außerdem in Zitruspflanzen (darunter Bergamotte, Zitrone, Limette, Grapefruit, Bitterorange u. a.) sowie in einer Reihe anderer Pflanzen.

Sie gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und dienen der Pflanze als Abwehrstoffe gegen Viren und Pilze.

phototoxische ätherische öle bergaptenBergapten

Furocumarine sind sehr reaktive chemische Verbindungen. Unter Einwirkung von Sonnenlicht (UVA- und UVB-Strahlung) reagieren sie mit der Haut und schädigen den menschlichen Organismus auf zweierlei Weise:

Photosensibilisierend/Phototoxisch: Gelangen Furocumarine auf die Haut und werden anschließend dem Sonnenlicht/UV-Strahlung ausgesetzt, kommt es je nach Schwere zu verbrennungsähnlichen Symptomen mit Hautrötung über Schwellung bis zur Blasenbildung. Diese Reaktion ist oft verzögert und erreicht erst nach 36 – 72 Stunden ihren Höhepunkt. Der akuten Entzündung folgt eine Überpigmentierung, die Wochen oder Monate dauern kann.
Die Schwere der Reaktion ist von der Menge an Furocumarinen und der Dauer und Intensität der UV-Bestrahlung abhängig.

Krebserregend (carcinogen): Furocumarine gehen unter UV-Einwirkung Bindungen mit den Pyrimidinbasen der DNA (unser Genmaterial) ein, vernetzen so die DNA-Doppelstränge miteinander und wirken dadurch krebserregend.

Furocumarine sind in unterschiedlichem Ausmaß phototoxisch. Bergamottin, Bergabtol, Isobergabten und Isopimpinellin sind nicht phototoxisch. Psoralen wirkt am stärksten phototoxisch, gefolgt von Methoxsalen, dann Bergapten, und dann Oxypeucedanin.

Diese Stoffe sind jedoch nicht per se „böse“. Als natürliche Bestandteile der jeweiligen Pflanze erfüllen sie wichtige Aufgaben. In ätherischen Ölen bestimmen sie nicht nur deren Duft, sondern auch deren spezifische Wirkung!

Körperliche wirken Cumarine stark muskelentkrampfend, entspannend, schmerzstillend, schlaffördernd und blutdruckregulierend. Auf der seelischen Ebene wirken sie entspannend und stark stimmungsaufhellend.

In der Medizin werden Furocumarine wie Bergapten, Trioxsalen, Xanthotoxin oder Trimethylpsoralen zur Behandlung von Psoriasis im Rahmen der Phototherapie und Photochemotherapie eingesetzt! 

3. PHOTOTOXISCHE ÄTHERISCHE ÖLE

Bei folgenden ätherischen Öle musst du (in Kombination mit Sonnenstrahlung) vorsichtig sein:

  • Grapefruit gepresst (Citrus paradisi)
  • Zitrone gepresst  (Citrus limon)
  • Angelikawurzel (Angelica archangelica)
  • Limette gepresst (Citrus aurantifolia)
  • Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)
  • Bergamotte gepresst (Citrus bergamia)
  • Bitterorange gepresst (Citrus aurantium)
  • Mandarinenblatt (Citrus reticulata fol)
  • Raute (Ruta graveolens)
  • Tagetes (Tagetes minuta)

In der folgenden Tabelle findest du die Maximal-Konzentrationen für jedes dieser Öle:

phototoxische ätherische öle

Beachte deshalb die Maximal-Konzentrationen dieser Öle in deinen Produkten!

  • Maximalkonzentration beachten, oder
  • nach Anwendung 12- 18 Stunden UV-Strahlung meiden, oder
  • die Haut bedecken, oder
  • einfach nur im Diffusor verwenden!

Der Gehalt an Furocumarinen in kommerzieller Naturkosmetik ist übrigens durch das Kosmetik-Gesetz geregelt und unterliegt Höchstgrenzen.

4. NICHT ALLE ZITRUSÖLE WIRKEN PHOTOTOXISCH!

Die folgenden ätherischen Zitrusöle enthalten von Natur aus keinen nennenswerten Anteil an Furocumarinen und wirken deshalb nicht phototoxisch:

  • Süße Orange kaltgepresst (Citrus sinensis)
  • Mandarine/Tangerine kaltgepresst (Citrus reticulata)
  • Satsuma kaltgepresst (Citrus unshio)
  • Yuzu kaltgepresst (Citrus junos)
  • Zitronenblatt (Citrus limon fol)

Werden leicht phototoxische Zitrusfrüchte wie Limette und Zitrone destilliert, sind deren ätherische Öle nicht mehr phototoxisch.

Der Grund dafür ist, dass Furocumarine relativ schwere Moleküle sind und deshalb im Destillat reduziert vorliegen.

  • Limette destilliert (Citrus aurantifolia)
  • Zitrone destilliert (Citrus limon)

Bergamotte-Öl ist mittlerweile auch Furocumarin-frei (FCF) erhältlich. Dies wird durch fraktionierte Destillation des kaltgepressten Öls erreicht.

  • Bergamotte FCF (Citrus bergamia)

Zum Einsatz als therapeutisches Öle würde ich solche „beschnittenen“ Öle jedoch nicht empfehlen. Ihnen fehlen durch das Ab-Destilieren wichtige wirkungsgebenden Bestandteile. Wie oben erwähnt, haben Furocumarine wertvolle therapeutische Wirkweisen, die so verloren gehen.

Beim Einhalten der empfohlenen Maximaldosierung, bzw. Vorsichtsmaßnahmen, musst du auf diese wertvollen Öle nicht verzichten!

5. FAZIT

  • Manche ätherischen Öle können in Verbindung mit UV-Strahlung Hautreaktionen hervorrufen.
  • Nicht alle Zitrusöle sind phototoxisch.
  • Bei phototoxischen ätherischen Ölen die Maximalkonzentrationen beachten!
  • Bei Anwendung von potentiell phototoxischen ätherischen Ölen (über der Maximalkonzentration) Sonnenlicht bzw. Solarium vermeiden (für 12 – 18 Stunden), die Haut bedecken oder sie nur im Diffusor verwenden!
  • Furocumarine haben wertvolle therapeutische Wirkungen – bei entsprechend vorsichtigem Umgang musst du auf Bergamotte und Co. nicht verzichten!

Quellen:

  1. Robert Tisserand & Rodney Young; Essential Oil Safety; 2nd Edition
  2. Monika Werner & Ruth von Braunschweig; Praxis Aromatherapie; 3. Auflage
  3. Furocumarine; Wikipedia (abgerufen am 10.07.2017)
  4. Phototoxie; Wikipedia (abgerufen am 10.07.2017)

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Dufte Grüsse, Margareta

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2 Comments

  • stina

    Reply Reply 10. August 2017

    fantastischer blog, gut recherchiert, super Tipps, gut geschrieben. Danke!

    • Margareta Ahrer

      Reply Reply 10. August 2017

      Das freut mich, danke!

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