ANLEITUNG: NACHHALTIGE TEELICHTER SELBERMACHEN – OHNE ALU, OHNE PARAFFIN

nachhaltige Teelichter selbermachen

Teelichter selbermachen? Zahlt sich das aus?

Teelichter sind hierzulande die meistgekauften Kerzen überhaupt und zaubern in Windlichtern, Duftlampen oder Räucherstövchen eine gemütliche Stimmung in jedes Zuhause.

Die handelsüblichen Teelichter gibt es fast überall für nur wenige Cents zu kaufen.

Diese Billig-Teelichter haben allerdings auch einen anderen „hohe Preis“: Wegwerf-Aluhüllen und Kerzenwachs aus dem Erdölprodukt Paraffin sind weder ökologisch noch nachhaltig.

Eine gute Alternative sind Teelichter aus natürlichen Wachsen und wiederverwendbaren Teelichthüllen.

nachhaltige Teelichter selbermachen

Und weil ich neugierig war, wollte ich ausprobieren, ob sich solche nachhaltigen Teelichter auch selbermachen lassen und ob sich der Aufwand lohnt.

Nach längerem Herumrecherchieren hab ich zwei Methoden gefunden, Teelichter herzustellen.

Bevor du loslegst, sollte du Folgendes wissen:

  • Wichtig ist, dass du die Materialien gut aufeinander abstimmst. z. B. Größe der Gießformen auf der Größe der Teelichthüllen; die Art des Wachses auf das Material der Teelichthülle; den Docht auf die Art des Wachses bzw. die Größe der Kerze.
  • Maße und Gewicht von klassischen Teelichtern: Der Durchmesser von Teelichtern ist meist 38 mm und das Gewicht liegt bei ca. 18 – 20 g.
  • Du brauchst immer eine Hülle für deine Teelichtkerze.
  • Die Brenneigenschaften deiner Teelichtkerze werden wesentlich von der Art des Wachses, des Dochtes, aber auch der verwendeten Teelichthülle (Glas versus Metall) beeinflusst.

Mehr über die Materialien findest du weiter unten.

NACHHALTIGE TEELICHTER SELBERMACHEN | Variante #1

Hierfür werden die Teelichtdochte direkt in den Teelichthüllen platziert und mit Wachs befüllt.

Diese einfache Variante ist für dich, wenn du das Selbermachen von Kerzen einfach einmal ausprobieren magst.

Das brauchst du:

  • Teelichthüllen (am besten Edelstahl, für Bienenwachs auch Glas)
  • Wachs (Bienenwachs oder Raps- bzw. Sojawachs für eine vegane Alternative)
  • Docht (gewachst, mit Fuß)
  • Schmelzgefäß (z. B. Weißblechdose)
  • Wasserbad (Kochtopf mit Wasser)

So geht’s: 

  1. Wachs abwiegen: Ein Standard-Teelicht mit einem Durchmesser von 38 mm wiegt ca.18 – 20 g.
  2. Wachs in einer Weißblechdose im Wasserbad langsam schmelzen. So viel Wärme wie nötig, so wenig wie möglich. Berücksichtige die Schmelztemperatur des jeweiligen Wachses.
  3. Inzwischen die Teelichtdochte mittig (!) in den leeren Teelichthüllen aus Edelstahl oder Glas platzieren. Dabei ist wichtig, dass die Dochte mittig und im Lot ausgerichtet sind.
  4. Das geschmolzene Wachs langsam in die Teelichthüllen gießen. Dabei aufpassen, dass der Docht mittig bleibt.
  5. Bei Raumtemperatur aushärten lassen.

nachhaltige Teelichter selbermachen materialien

Teelicht-Rohlinge auf Vorrat herstellen:

Wer mit dieser Methode Teelichter auf Vorrat herstellen möchte, gibt die Teelichter nach dem Aushärten für ca. ½ Stunde in den Gefrierschrank. Erkaltetes Wachs verliert an Volumen und die Teelicht-„Rohlinge“ sollte sich leicht aus den Formen lösen.

So kannst du mit denselben Hüllen den Gießvorgang mehrmals wiederholen. Vor dem Wiederbefüllen sollen die Hüllen aber wieder auf Raumtemperatur gebracht werden, sonst wird die Kerzenoberfläche nicht glatt.

Die Teelichter musst du später vor Gebrauch unbedingt wieder in eine Hülle geben.

NACHHALTIGE TEELICHTER SELBERMACHEN | Variante #2

Mit Gießformen kannst du gleichzeitig 10 – 15 Teelichter auf einmal gießen und damit schnell einen Vorrat herstellen.

Es gibt verschiedene Arten von Gießformen:

(a) Gießformen mit einfachen Mulden – das Herstellungsprinzip ähnlich wie bei Variante #1 (siehe oben).
(b) Gießformen, die zusätzlich eine Aussparung für den Docht haben; da wird der Doch nach dem Aushärten gesteckt. So ist der Docht sicher 100 % mittig und die Kerze kann gleichmäßig abbrennen.

Das brauchst du:

  • Gießform aus Silikon oder anderen Kunststoffen.
  • Wachs (Bienenwachs oder Raps- bzw. Sojawachs für eine vegane Alternative)
  • Docht (gewachst, mit Fuß)
  • Teelichthüllen (am besten Edelstahl, für Bienenwachs auch Glas)
  • Schmelzgefäß (z. B. Weißblechdose)
  • Wasserbad (Kochtopf mit Wasser)

So geht’s:

  1. Wachs abwiegen: Ein Standard-Teelicht mit einem Durchmesser von 38 mm wiegt ca.18  – 20 g.
  2. Wachs in einer Weißblechdose im Wasserbad langsam schmelzen. So viel Wärme wie nötig, so wenig wie möglich. Berücksichtige die Schmelztemperatur des jeweiligen Wachses.
  3. (a) Inzwischen Teelichtdochte mittig (!) in der Gießformen platzieren. Dabei ist wichtig, dass die Dochte im Lot ausgerichtet sind.
    Das geschmolzene Wachs langsam in die Gießformen gießen. Dabei aufpassen, dass der Docht mittig bleibt.
    (b) Das geschmolzene Wachs langsam in die Gießformen gießen.
  4. Bei Raumtemperatur aushärten lassen.
  5. (b) Den Docht in die Aussparungen für denselben stecken.
  6. Die Rohlinge musst du vor Gebrauch unbedingt in eine Hülle geben. Ich empfehle dir eine Hülle aus Edelstahl.

Kleine Rohstoffkunde und Bezugsquellen

Kerzenwachs:

Natürliche Alternativen zu erdölbasiertem Paraffinwachs, aus dem der Großteil der handelsüblichen Teelichter herstellt werden, sind Bienenwachs, Rapswachs, Sonnenblumenwachs, Sojawachs und Wachs aus recycelten Abfallölen/-fetten.

„Natürlich“ muss allerdings nicht unbedingt nachhaltig oder vegan bedeuten. Wo kommt das Soja oder der Raps her, aus dem das Wachs hergestellt wurde? Mussten dafür Regenwälder abgeholzt werden, oder stammen die Pflanzenöle aus europäischen Anbau? Weißt du, dass Bienenwachs kein veganes Produkt ist? Bewusst zu konsumieren bedeutet, wissen, wo was herkommt und wie es produziert wird. 

Bienenwachs ist ein von Honigbienen abgesondertes Wachs, das den Bienen zum Bau der Bienenwaben genutzt wird. Es fällt als natürliches Begleitprodukt bei der Gewinnung von Honig an. Bienenwachs eignet sich gut für die Kerzenherstellung und hat den typischen feinen Duft nach Bienenwachs. Bienenwachs ist – weil von Tieren abgesondert – nicht vegan. Die Schmelztemperatur liegt bei 65 – 92 °C. Bienenwachs ist kein Massenprodukt und hat deshalb auch seinen guten Preis. Bienenwachs bekommst du beim lokalen Imker, in Shops für Imkereibedarf oder im Online-Handel z. B. bei der Naturkosmetik-Werkstatt*↗*  

Pflanzenwachse wie Rapswachs, Sojawachs, Sonnenblumenwachs oder Kokoswachs werden aus den jeweiligen Pflanzenölen durch Hydrierung – ähnlich wie bei der Margarineherstellung (Fetthärtung↗) – hergestellt.

Diese Wachse sind weicher als Bienenwachs und haben auch einen niedrigeren Schmelzpunkt von um die 40 – 60 °C. Deshalb werden diese Wachse vor allem für Kerzen in Gläsern bzw. Teelichtkerzen verwendet.

Mein Favorit ist Rapswachs, wenn es aus europäischem Anbau stammt.

Wachse auf Pflanzenölbasis bekommst du in Rohstoffshops, z. B. bei der Naturkosmetik-Werkstatt*↗*

Teelichthüllen

Weil Teelichter bei längerer Brenndauer komplett flüssig werden brauchen sie eine kompakte Hülle.

Alternativen zu den handelsüblichen Wegwerf-Aluhüllen sind Teelichthüllen aus Edelstahl oder Glas.

Meiner Erfahrung nach brennen Teelichter in Edelstahlhüllen besser vollständig ab als in Glashüllen, sodass kaum oder weniger Wachsrest übrig bleiben. Der Grund dafür ist, dass die Wärmeleitung von Metall (Alu, Edelstahl) besser ist als die von Glas. 

Teelichthalter Glas versus Metall

Bild: links oben: Bienenwachs in Glashülle; links unten: Sojawachs in Glashülle. rechts oben: Bienenwachs in Edelstahlhülle; rechts unten: Sojawachs in Edelstahlhülle

Zum Ausprobieren kannst du aber ja erstmal deine alten, gebrauchte Aluhüllen recyclen.

Teelichthüllen aus Edelstahl eignen sich meiner Ansicht nach am besten für alle Teelichter.  Sie sind besonders langlebig, weil sie im Gegensatz zu Glas bruchsicher sind. Die Teelichtkerzen brennen in Hüllen aus Edelstahl auch besser vollständig ab und es bleibt weniger Wachsrest in der Hülle zurück. Der Grund dafür ist die besseren Wärmeleitfähigkeit von Metall im Vergleich zu Glas. Für Teelichter aus Soja- und Rapswachs würde ich auf alle Fälle Teelichthüllen aus Edelstahl empfehlen. 

Glashüllen sind für Teelichter aus Bienenwachs durchaus geeignet, weil dieses eine – im Vergleich zu Raps- oder Sojawachs – höheren Schmelz- und Brenntemperatur hat. Du bekommst diese u. a. bei Shops für Imkereibedarf und auch bei der Naturkosmetik-Werkstatt*↗*

Gießformen für Teelichter

Gießformen mit einfachen Mulden (a):

Gießformen, mit einer zusätzlich eine Aussparung für den Docht, in die der Docht nach dem Aushärten gesteckt wird (b):

Kerzendocht für Teelichter:

Am besten besorgst du dir gewachst Dochte mit Metallfüßchen.

Schmelzgefäß:

Ich verwende dazu einfache gebrauchte, gewaschen Weißblechdose (jeweils eine eigene für verschiedene Wachse, damit ich sie dann später wiederverwenden kann).

Ätherische Öle:

Durch zusetzen von ca. 3 – 5 % naturreinen ätherischen Ölen zum Wachs werden aus deinen Teelichtern kleine Duftkerzen. Eine Raumbeduftung mit so hergestellte Teelichter ist meiner Erfahrung nach allerding wenig effektiv. Und weil du außerdem relativ viel wertvolles ätherisches Öl verbrauchst ist es auch wenig nachhaltig. Für die Raumbeduftung sind elektrische Aromadiffuser weitaus effektiver.

Reinigen und Wiederverwenden der Teelichthüllen

Um Wachsreste aus den gebrauchten Teelichthüllen besser entfernen zu können, gibst du sie einfach für etwa eine halbe Stunde in den Gefrierschrank. Das Wachs schrumpft bei tiefen Temperaturen und lässt sich so meist relativ leicht aus der Hülle lösen.

Anschließen kannst du wieder ein neues Teelicht in die Hülle setzen.

FAZIT

  • Für beherzte SelbermacherInnen lassen sich Teelichtkerzen leicht und vergleichsweise preiswert herstellen.
  • Rohstoffe und Utensilien sind heutzutage im Onlinehandel leicht zu bekommen. Die Investition in wiederverwendbare Teelichthüllen und Gießformen zahlt sich aus, wenn man einen großen Bedarf an Teelichtern hat.
  • Der Preis pro selbstgemachter Teelichter aus Bienenwachskerze ist etwa 50 % geringer, bei Raps- und Sojawachs um etwa 75 % geringer als vergleichbare Teelichter aus dem Handel. Dieser Endpreis hängt natürlich vom Preis und der Qualität der Rohstoffe ab, was mich zu einem weiteren Vorteil für selbstgemachte Teelichter bringt.
  • Selbermacherinnen können die Art der Rohstoffe und Materialien und deren Qualität selbst wählen.
  • Empfehlung: Die besten Ergebnisse bekommt du mit einer Gießform die eine Aussparung für den Docht haben und in Kombination mit Teelichthaltern aus Edelstahl.

NACHHALITGE TEELICHTER KAUFEN

Nicht jede*r hat die Muse und die Zeit zum Selbermachen. Hier habe ich einige Produktlinks, wo du fertige Teelichter bestellen kannst:

Im Preis unschlagbar sind Kerzenwachs aus regionaler Biomasse, für die Abfallölen- und -fette aus der Industrie recycled werden.

Veganer wählen lieber Teelichter aus Raps- oder Sojawachs.

Das könnte dich auch interessieren:

 

Stearin? Wachs? Paraffin? Gibt’s ökologisch einwandfreie Kerzen? Bayern1

Teelichte – Besser auf Alu-Schalen und Duftstoffe verzichten. NDR Ratgeber 

 

Damit wünsche ich dir stimmungsvolle Abende bei Kerzenschein und für die Selbermacher*innen viel Freude beim Kerzengießen.

Dufte Grüsse, Margareta

Ich freu mich natürlich auch über Rückmeldung zu euren Erfahrungen unter diesem Blogartikel in den Kommentaren!

 

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4 Kommentare

  • Myriam Melis

    Reply Reply 13. November 2023

    Vielen Dank für die tolle „Schritt für Schritt“- Anleitung.

  • Diana

    Reply Reply 14. November 2023

    Liebe Margareta, Danke für Deinen wieder mal sehr inspirierenden Blogbeitrag. Ich habe dieses Jahr das erste Mal angefangen, Duftkerzen zu gießen und es ist herrlich geworden.

    Ich habe einen sehr großen Verbrauch an Teelichtern und habe mich immer über den hohen Abfallanfall von den Teelichthaltern geärgert. Jetzt werde ich mir auch meine Teelichter selber machen. Danke für Deine Inspiration und ganz liebe Grüße, Diana

    • Margareta Ahrer

      Reply Reply 16. November 2023

      Hallo liebe Diana,
      Weißt du, ich hab auch viel zu lange die herkömmlichen Teelichter verwendet. Zwar habe ich mich mit dem Alumüll auch unbehaglich gefühlt habe, habe ich mir doch lange nicht die Mühe gemacht, nach Alternativen zu suchen. Aber wie sagt man so schön: better late than never. Aber dafür bin ich das jetzt um so gründlicher angegangen, und hoffe, dass ich mit diesem Artikel einen kleinen Beitrag leisten kann. Liebe Grüße! Margareta

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